How To: Konzertfotografie – Konzerte fotografieren leichtgemacht!

Hallo Leute,
da ich ja vor zwei Monaten meine Webseite geupdated habe und mein Blog daher eigentlich rausgeflogen ist, hab ich auch mein, wohl beliebtestes Tutorial rausgeworfen…
Heute bringe ich es euch zurück!

Viel Spass beim lesen und nachmachen!

Konzertfotografie

In diesem kleinen How-To- Tutorial erkläre ich euch das Thema Konzertfotografie. Was darf ich und was nicht? Welche Ausrüstung ist Sinnvoll? Welche Einstellungen sollte ich beuntzen? Auch Akkreditierung und co kommen nicht zu kurz.

  1. Was ist Konzertfotografie?
  2. Wo brauche ich eine Akkreditierung und wie komme ich an eine?
  3. Do’s & Do not‘ s und deren Ausnahmen 😉
  4. Ausrüstung
  5. Einstellungen
  6. Es macht Klick! Das Fotografieren
  7. Zuhause am PC
  8. Schlusswort

 

1. Was ist Konzertfotografie?

Konzertfotografie ist das Fotografieren von Solisten, Ensemblen, Orchestern oder Bands auf einer Bühne während eines Konzertes vor Puplikum.

Dabei gehört (meiner Meinung) NICHT das fotografieren von Musicals, Opern, Cabarets oder ähnlichem.

 

2. Wo brauche ich eine Akkreditierung und wie komme ich an eine?

Generell wird immer eine Akkreditierung benötigt. Vorallem bei Konzerten bekannterer Bands oder Einzelkünstler. Ohne Akkreditierung kommt niemand in den Bühnengraben!

Oft ist es selbst mit eurer DSLR UND normal gekaufter Karte unmöglich in die Halle oder auf das Open-Air-Gelände zu kommen. Denn euch wird automatisch unterstellt, ihr seid ein professioneller Fotograf und wollt die entstehenden Fotos verkaufen.

An eine ersehnte Akredditierung kommt ihr nur, wenn ihr entweder ein freier Fotograf seid, der damit seinen Lebensuntehalt bestreitet. Oder ihr seid bei einer Bildagentur, einer Zeitung/Zeitschrift angestellt.

Dann wird entweder eure Agentur/Redaktion euch die Akkreditierung besorgen oder ihr fragt über den Veranstalter, bzw. die Bookingagentur an.

Oft gilt die Regel „3SNF“. Das bedeutet, dass ihr immer nur 3 Songs Zeit habt und danach aus dem Fotograben verschwinden dürft 😉 Ausserdem: No Flash, also kein Blitz verwenden!

In kleineren Clubs findet oft keine Kontrolle statt und ihr könnt auch einfach so fotografieren. Oft haben solche Clubs auch keinen Fotograben und ihr steht mit allen anderen Gästen auf dem Floor.

Hier solltet ihr dann echt gut auf euer Equipment aufpassen. Gerade wenn ihr z.B.: Hardcore- und Metal-Bands fotografiert, kann es sogar sehr gut sein, dass ein Stagediver in eure Richtung fliegt oder irgendwelche Extremitäten!

Aber glaubt nicht, nur weil ihr mit eurer Kamera reigelassen wurdet, dürft ihr auch auf/hinter die Bühne! Nix! Ebenso wenig in den Fotograben, falls vorhanden!

Mit welcher Kamera ihr in 99% aller Fällen reinkommt: Kompaktkameras! 😉

 

3. Do’s & Do not‘ s und deren Ausnahmen 😉

Do’s:

  • Höflich sein
  • Versuchen, unsichtbar zu sein (den Gästen also die Sicht nicht versperren!)
  • Vorher abklären, was ihr dürft und was nicht ( ans Mischpult? Auf die Bühne?)

Do Not’s:

  • Nicht dem Publikum vor dem Gesicht stehen
  • Sich unantastbar fühlen („Ich bin der Fotograf, also machen alle so wie ich will!“)
  • Blitzen!

Ausnahmen:

  • Blitzen bei mini-kleinen Shows von unbekannteren Bands.
    → Mehr dazu weiter unten…

 

4. Ausrüstung

Optimal ist eine Kamera mit wenig Rauschen bei hoher ISO, da Konzerte meisstens dunkel und schlecht ausgeleutet sind. Zum Einstieg sind hier von Nikon die D90, D5100, D7000 oder D7100 zu empfehlen. Von Canon die EOS 600D, 700D, 60D, 70D, 6D oder 7D.

Wer gehobenere Ansprüche hat, dem ist die Nikon D700, D800 oder die Canon 5DMk.III an das Herz zu legen. Beides sind Vollformat-DSLR’s, leider auch mit entsprechendem Preis.

Als Objektiv(e) führt kein Weg an lichtstarken Zooms vorbei. Für die Crop-Kameras im Bereich 17-50 f 2,8 und für die Vollformat-Kameras 24-70 f 2,8.

Manchmal wird es richtig eng, gerade bei kleinen Club-Konzerten. Dann ist die erste Wahl ein Weitwinkelzoom, beispielsweise das Tokina 11-16 f 2,8 oder 16-28 f 2,8.

Solltet ihr weiter weg stehen müssen, empfehle ich lichtstarke Standard-Telezooms (70-200 f 2,8).

Festbrennweiten von 35, 50 oder 85mm Brennweite sind, auch wenn sie bedeutend Lichtstärker sind (Ihr bekommt solche Festbrennweiten entweder mit Blende 1,4 oder 1,8), würde ich nicht benutzen, da ihr von der Bildgestaltung sehr eingeschränkt seid und desweiteren auch teilweise viel zu nah an der Band, dem Orchester dran seid.

Für kleine, miserabl Ausgeleuchtete Konzerte ist ein TTL-fähiger Blitz oft der Joker. Besonders wenn ihr nicht alle Bilder in Graustufen umwandeln wollt!

 

Zusammenfassung:

  • Rauscharme Kamera
  • Lichtstarkes Zoom-Objektiv
  • Optional: Blitz

 

5. Einstellungen

Fangen wir mit der Blende an. Denn mit der Blende legt der Fotograf den Look des Fotos fest. Also wenig oder viel Schärfentiefe. Ich bevorzuge auf f 3,2 abzublenden. Hier habe ich etwas mehr Schärfentiefe als bei Offenblende und bin immernoch Lichtstärker als bei einem Kitobjektiv!

Beispiel:

  • Brennweite: 30mm
  • Objektentfernung: 3m
  • Nahgrenze: 2,48m
  • Entfernte Grenze: 3,8m
  • Schärfentiefe: 1,31m

(Gerechnet für eine Nikon D90 bei f 3,2 mit http://www.dofmaster.com/dofjs.html )

1,31 Meter reichen vollkommen aus, für einen Gitarristen/Bassisten oder andere!

Ihr dürft auch nicht vergessen, je niedriger die Brennweite, desto mehr Schärfentiefe bei gleichbleibender Blende und Objektentfernung. Umgekehrt funktioniert das auch: Je weiter die Objektentfernung bei gleichbleibender Brennweite und Blende, desto mehr Schärfentiefe!

Weiter geht es mit der ISO, die Sensorempfindlichkeit. Je nach Helligkeit der Location bevorzuge ich ISO zwischen 1000 und 1600. Wenn ihr eine Vollformat zur verfügung habt, könnt ihr auch auf höhere Werte gehen (locker bis 3200!). Bei heller Umgebung/Location wählen wir natürlich eine niedrigere ISO. Wenn ihr ein Open-Air am helllichten Tage fotografiert, könnt ihr auch ISO 800 oder sogar niedriger nehmen. Hier würde ich dann aber Testfotos machen, um die Helligkeit zu prüfen.

Jetzt das wohl wichtigste: Die Verschlusszeit!

Musiker bewegen sich (ausser Sie sitzen, wie bei Orchestern oder Drummer), das liegt in der Natur eines Musikers… Und ihr wollt Sie fotografieren! Daher müssen wir die Verschlusszeit an die Bewegung der Musiker anpassen. Bei Konzerten, wo sich viel Bewegt wird (Hardcore, Metal, Hip-Hop, Pop, ect…) wähle ich Verschlusszeiten um 1/100. Orchester kann man ohne Probleme mit 1/50 oder weniger auf den Sensor bannen.

Unterschätzt, aber das Tüpfelchen auf dem i: Die Messmethode:

Hier könnt ihr eurer eigenen Vorlieben den Vorzug geben. Entweder fotografiert ihr in der Mittenbetonten Messung oder in der Mehrfeldmessung. Einzig die Spotmessung solltet ihr nicht benutzen, da hier der Kameraprozessor dazu neigt, bestimmte Teile des Bildes dann zu stark absaufen zu lassen (schwarz) oder andere Bereiche ausfressen zu lassen…

Selbst bei der Mittenbetonten Messung kann noch sehr viel Schwarz vorhanden sein.

Die Autofokuswahl (Messfeldsteuerung):

Heutige DSLR’s haben die Möglichkeit, zwischen verschiedenen AF-Feldern zu wählen. An der Nikon D90 könnt ihr zwischen Einzelfeld, Dynamisch, Automatische Gruppierung und 3D-Tracking wählen. Bei mir ist standardmässig letzteres Aktiviert. Egal was ich fotografiere. Denn ich kann hier einzelne Messfelder ansteuern oder auch mit dem mittlerem Kreuzsensor fokussieren und die Kamera schwenken und trotzdem bleibt das Objekt, die Person anfokussiert. Vorallem für Personen die sich schnell Bewegen (Sänger, Gitarristen) ist das sehr praktisch!

Optional: Der Blitz

Wenn ihr ein kleines Konzert fotografiert, bei dem miserable Lichtstimmung ist und es zufällig noch Hardcore ist, dann kommt hier eure Rettung: Der Systemblitz!

Nein, nicht der in der Kamera integrierte, sondern, den, der auf die Kamera aufgesteckt werden kann! Gewonnen habt ihr, wenn er TTL-fähig ist. 60° an die Decke Blitzen, mit ausgezogener Weitwinkelstreuscheibe und Bouncer und ca. -1,7 bis -2 EV runterregeln und ihr hellt schön auf, ohne das Umgebungslicht zu sehr zu verbannen.

Alternativ im manuellen Modus auf ca. 1/64 der Leistung.

Zusammenfassung:

  • f 3,2
  • ISO 800 bis 1600 (je nach Helligkeit)
  • 1/50 oder 1/100 (je nach ISO und Musiktyp des Konzertes)
  • Mehrfeldmessung oder Mittenbetonte Messung
  • 3D-Messfeldgruppierung
  • Optional: Blitz auf 1/64 der Leistung oder TTL mit ca. -1,7EV

 

6. Es macht Klick! Das Fotografieren

Okay, ihr seid nun endlich auf dem Konzert! Egal was es ist, klassische Musik, Metal oder Hip Hop. Achtet auf interessante Momente. Z.B.: Wenn ein Gitarrist in die Luft springt, ect.

Macht auch Close-Up’s vom Sänger und anderen Bandmitdliedern.

Gut, sowas ist auf einem Klassik-Konzert bisschen schwer, da springt keiner in die Luft oder brüllt mit schmerzverzerrtem Gesicht in das Mikro, hier empfiehlt es sich entweder mit viel Weitwinkel, das ganze Ensemble abzulichten und/oder sich die Solisten rauszupicken, sofern diese auch gut Sichtbar von den übrigen Mitgliedern abegetrennt sind.

Bei etwas „dynamischeren“ Musik sollte man immer ein Auge auf alle Bandmitglieder haben, da jeder plötzlich etwas interessantes machen könnte! Selbst der Drummer, wenn er z.B. seine Sticks tauscht!

Crowdpics, also Bilder von den Zuschauern kommen auch sehr gut, vorallem wenn diese Mittanzen, oder der Sänger sein Mikro in die Menge hält. Versucht auch sooft wie möglich einen Zusammenhang zwischen Band und Zuschauern herzustellen, wenn ihr solche Bilder plant.

 

7. Zuhause am PC

Am nächsten Morgen importiert ihr die Bilder in euren RAW-Konverter (bei mir Adobe Lightroom 3) und macht eine Vorauswahl. Die schlechten und falsch Fokussierten können gleich wieder rausfliegen. Bei den anderen schaut ihr euch am besten die Tonwertkurve an. Links ist der schwarze Bereich und rechts der Weisse.

Ich entscheide immer je nach Motiv und Farbgebung, was ich mit dem Bild mache. Als erstes Konvertiere ich in Graustufen um zu prüfen, ob das Bild damit wirkt (sofern mir von vorne herrein klar ist, dass ich es in Farbe haben möchte). Wenn ja, dann verändert noch die Belichtung, Schwarzwerte und anders, bis es euch gefällt.

Gleiches passiert eigentlich bei Farbbildern… 😉

 

8. Schlusswort

So, bleibt nun nicht mehr viel zu sagen… Solltet ihr noch fragen haben, dann stellt Sie am besten per Kommentar hier direkt darunter, damit andere auch noch zusätzlich etwas lernen können (vielleicht haben andere ja genau die gleiche Frage?!).

Und wenn ihr mich mal auf einem Konzert seht, könnt ihr mich gerne anquatschen… 😉

 

P.S.: Warum keine Fotos hier drin sind? Weil’s halt so ist… 😀
P.P.S.: Jetzt nach gut 2 Jahren hab ich das Tutorial an ein paar kleinen Stellen ausgebessert und besser formatiert, aber wozu alles ändern, wenn das noch heute seine Gültigkeit hat? 😉

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hi,
    das war bisher der beste Ratgeber,verständlich und vor allen Dingen auf das Wesentliche beschränkt.
    Prima,weitermachen!!
    „Alt-Analog“ und „Neu-Digital-Anfänger“
    Horst

    • Hallo Horst,
      Danke für die Blumen!
      Aber… Was bei manchmal bei analoger Fotografie funktioniert, tut es ebenfalls bei digitaler Fotografie. Nur der Filmeverschleiss ist etwas höher.. 🙂

      Cheers,
      Chris

  2. Klasse Artikel. Möchte nun auch umschwenken und mehr aus meinen Bildern raus holen. Was würdest du für eine Ausrüstung für um die 1500€ empfehlen?

    Die Theorie ist mir klar. Es fehlt nur noch das Werkzeug.

    • Hi Felix,
      danke dir! Zum Thema 1500€ Ausrüstung bei Konzerten: Definitiv eine Mittelklasse-Spiegelreflex. Aktuell z.B. eine aus der Klasse Nikon D7100 oder entsprechende Canon/Sony. Dazu ein lichtstarkes Standardzoom Tamron 17-50 f2,8 und ein ttl-Blitz.
      Das sollte als Grundaustattung angesehen werden.

      Cheers,
      Chris

  3. Lese den Kommentar jetzt erst, hoffentlich ist er noch aktuell und wird noch betreut.
    Meine Frage dazu ist, stelle ich meine Nikon D7100/D800 auf M (Manuell), S( Zeitpriorität) oder S (Blendenprioritöt). Kann ich den ISO auf Automatisch stellen?
    Vielen Dank

    • Hi Andreas,
      auf jeden Fall im manuellen Modus fotografieren, denn nur hier hast du die Möglichkeit, etwas an der Einstellung so zu verändern, ohne, dass die Kamera dir gleich wieder einen Strich durch die Rechnung macht. ISO ebenfalls manuell einstellen und nicht der Automatik überlassen. Die Automatik versucht immer das Bild so zu belichten, dass der Prozessor meint, das Bild ist korrekt belichtet. Meisst belichtet die Kamera aber so, dass die Tiefen komplett belichtet werden, was jedoch wiederum dazu führt, dass die hellen Lichter komplett ausgefressen werden.
      Je nach Lichtsituation reicht ISO 800, aber oft geht’s hoch über 1000, 1250 auf ISO 1600. Hier hilft nur früh da sein und ein paar Testbilder machen, bis dir die Belichtung gefällt! 😉

  4. Hier noch ein Tipp: Bei Nikon kann man ab der D7100 aufwärts den Autofokus vom Auslöser trennen. Man kann so schnell entscheiden, ob der Fokus beim Serienbild dem Spot folgt oder beim ursprünglichen Fokuspunkt bleibt, in dem man den separaten Knopf loslässt oder festhält. Das ist wichtig, wenn man schnell zu einem neuen Motiv umschwenkt.

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